Star Trek: Bridge Crew – Bist du bereit für den Kobayashi Maru-Test?

Einmal selber auf der Brücke der U.S.S. Enterprise sitzen und zu virtuellen Weltraum-Abenteuern aufbrechen ist ein echtes Erlebnis, nicht nur für Hard Core-Trekkies.

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Veröffentlicht am 28. April 2017 von Ulrich Wimmeroth

Kaum habe ich die VR-Brille übergestreift, befinde ich mich mitten in meinem Jugendtraum: Einmal auf der Brücke eines Förderationsschiffes sitzen und „To boldly go where no man has gone before“, wie es im englischen Original der SF-Serie immer so herrlich pathetisch zu hören war.

Mein Blick schweift umher und ich sehe die Avatare meiner drei Koop-Mitspieler, wie sie munter an ihren Konsolen schuften. Ich habe mich für die Rolle des Waffenoffiziers entschieden, bin also fortan für die Zielerfassung von Feinden zuständig, dem Abfeuern der Phaser und Photonen-Torpedos und dem rechtzeitigen Aufbau des Schutzschildes. Rechts von mir sehe ich den Bordingenieur, der Systeme wie Antrieb, Transporter und Schilde mit Energie versorgen muss, links den Piloten, der unsere Crew per Warp-Sprung sicher in den nächsten Sternensektor bringen soll.

Ich drehe mich um und erblicke den Captain, der auf seinem Kommandosessel lümmelt und die Aufgabe hat, die seine Offiziere zu orchestrieren und letztendlich die Entscheidungsgewalt ausübt, was denn in einer Notsituation zu tun ist. Nur er kennt übrigens auch die Missionsziele, die exklusiv auf seinem Bildschirm angezeigt werden. Mein Blick fällt auch auf ein paar Rothemden und ich muss unwillkürlich grinsen, ist mir doch bewusst, dass den Sternenflotten-Statisten im roten Gewand meist keine lange Lebensdauer beschieden ist.

40 Stunden Story-Modus

Dass VR-Spiele sich nicht nur für kurze Immersionen eignen, hat unlängst der Schocker Resident Evil 7 eindrucksvoll bewiesen. Auch Star Trek: Bridge Crew ist auf eine lange Reise, und nicht nur einem kurzen Ausflug, ausgelegt.

Gleich zwei sehr unterschiedliche Spielmodi werden angeboten, bei dem ich zum einen an Bord des ultramodernen Forschungsschiffs U.S.S. Aegis eine, laut Aussage der Entwickler, rund 40-stündige Story-Kampagne durchleben kann und zum anderen unendliche Abenteuer auf der Original-Enterprise geboten bekomme. Die Hintergrundgeschichte der Kampagne spielt zeitlich nach dem Star Trek-Film-Reboot der letzten Jahre und schickt die Besatzung der Aegis zur Erkundung eines weithin unbekannten Sektors des Weltraums, der als Der Graben bekannt ist. Dort hofft man eine neue Heimat für die arg dezimierte Bevölkerung der Vulkanier zu finden.

Wird man wahrscheinlich irgendwann auch, aber vorher geht es erst einmal ordentlich zur Sache, denn auch die Klingonen sind in dem entlegenen Winkel des Alls unterwegs.

Der Kobayashi Maru-Test

Mein erster Ausflug ins All beginnt eher harmlos: Nach der Auswahl meines Avatars, den ich aus einem Fundus an Rassen, Geschlechtern und optischen Nuancen zusammen basteln kann und der Wahl der Rolle, geht es gemächlich los. Ich mache mich in einem kurzen Tutorial mit der Bedienung meiner Station vertraut und bin ein paar Minuten später bereit für meinen Dienst.

Der Captain benennt einen Kurs, der Ingenieur stellt die Energie für den Warp-Antrieb bereit und der Pilot navigiert uns sicher in einen unbekannten Sektor des Universums. Hier suchen wir nach einigen im Nichts treibenden Rettungskapseln, scannen diese auf Leben und beamen Überlebende einer Schiffshavarie an Bord. Simpel. So soll es aber nicht bleiben.

Eine Flotte Klingonen-Raumer taucht auf und nimmt uns unter Beschuss, da heißt es jetzt Ziele markieren, Phaser abfeuern und Torpedos von der Leine lassen. Als Schütze kann ich zudem noch Gegner scannen und bestimmte Bestandteile der Kriegsschiffe außer Gefecht setzen, beispielsweise die Schildgeneratoren oder den Antrieb.

Der bislang höfliche Umgangston wird zusehends rauer und es wird gebrüllt und geflucht, wenn die Aegis einen Treffer kassiert, das die virtuelle Umgebung nur so wackelt und ein Funkenregen aus den Monitoren kommt. Oder lauthals gejubelt, wenn ein Klingone das Zeitliche segnet.

Diese Mission ist übrigens nicht zu gewinnen, entweder wir versuchen einen befreundeten Sternenflotten-Raumer zu retten und gehen dabei ehrenhaft drauf oder wir fliehen und überlassen die Kameraden dem sicheren Exitus. Der klassische Kobayashi Maru-Test, den James Tiberius Kirk nur durch Schummeln bestehen konnte. Wir schummeln nicht und fliehen, auf das wir die nächste Mission in Angriff nehmen können.

Endlose Abenteuer auf der Original-Enterprise

Beeindruckend die optische Abwechslung, wenn ich nicht die ultramoderne Aegis vor Augen habe, sondern mich auf der getreu nachgebildeten Brücke der U.S.S. Enterprise, Modell NCC-1701-A, befinde. Röhrenmonitore statt Flachbildschirme, mechanische Schalter statt einem sanften Druck auf eine Taste, dank cleverer Lizenzverhandlung seitens Ubisoft kann ich jetzt wirklich meinen Jugendtraum erfüllen und so richtig Old-School das All erkunden.

Die Bedienung ist deutlich komplexer und die einblendbare Beschriftung der gut zwei Dutzend Schalter und Hebel eine willkommene Hilfe. Mit ein wenig Übung gelingt es mir nach einer Weile, genau so schnell und zuverlässig zu agieren, wie an Bord der Aegis. Das ist auch nötig, denn auch wenn die Enterprise nicht in der Story-Kampagne zur Verfügung steht, sondern „nur“ im Endlosmodus, sind die prozedural generierten – und so prinzipiell endlosen – Missionen eine echte Herausforderung.

Neue Sektoren erkunden, zwischen Meteoriten hindurch navigieren, Raumminen ausweichen, Klingonen bekämpfen, Menschen aus Raumnot retten: Die Aufträge sind aus den unterschiedlichen spielmechanischen Bestandteilen der Kampagne zusammen gesetzt und bieten immer wieder auch eine neue, meist unangenehme, Überraschung.

Nicht nur für Trekkies

Auch wer kein bekennender Trekkie ist, wird an dem VR-Spektakel seine wahre Freude haben. Den Entwicklern des Ubisoft-Studios Red Storm Entertainment, die sich in den letzten Jahren eher um die Versoftung von Tom Clancy-Geschichten, wie Tom Clancy’s Ghost Recon oder Tom Clancy’s The Division gekümmert haben, ist es gelungen echte Star Trek-Atmosphäre zu liefern. Mit Kampagne, Endlosmodus und der Option in vier, spielmechanisch sehr unterschiedlichen, Funktionen den Dienst in der Förderation zu verrichten, gibt es die volle Dosis Science-Fiction. Und das in einer wirklich gelungenen VR-Umgebung.

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