Life is Strange – Mach es noch mal Max!

Hast du dir schon oft gedacht: Ach, könnte ich doch die Zeit zurück drehen? In dem spannenden Mystery-Abenteuer mit Independent-Touch kannst du das jetzt einfach machen.

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Veröffentlicht am 09. Juni 2017 von Ulrich Wimmeroth

Hätte ich doch den süßen kleinen Vogel gerettet, der gegen die geschlossene Fensterscheibe geflogen und jetzt auf dem Weg in den Kleintierhimmel ist. Hätte ich doch meiner Zimmerpflanze Wasser gegeben, jetzt ist sie nur noch ein trauriger welker Haufen Biomasse. Hätte ich doch meine Mitschülerin vor dem aufdringlichen Wachmann beschützt, dann würde sie vielleicht noch mit mir reden. Hätte, hätte, Fahrradkette.

Hilft aber alles nichts, ich habe mich im Verlauf der unvorhersehbaren Geschichte von Life Is Strange eben in diesen, oftmals belanglos wirkenden, Situationen anders entschieden. Jetzt kann ich es nicht mehr rückgängig machen und muss akzeptieren, welche weitreichenden Konsequenzen mein Handeln auslösen wird. Eine spannende Mystery-Story, schwerwiegende Entscheidungen und dazu die Fähigkeit die Zeit zu manipulieren: Klingt hochinteressant, ist es auch.

Life is Strange

Ein Teenager mit übersinnlichen Fähigkeiten

Erzählt werden die seltsamen Abenteuer der Maxine Caulfield, ein 18-jähriges Mädchen, das nach Jahren in der Großstadt zurück in ihre provinzielle Heimatstadt Arcadia Bay kommt. Sie besucht an der Blackwell Academy einen Studiengang für Fotografie und versucht langsam wieder in der alten Heimat Fuß zu fassen. So weit, so unspektakulär. Die eher beschauliche Lage ändert sich dramatisch, als sie die Schultoilette aufsucht und mitbekommt, wie ein verzogener Bengel aus reichem Hause mit krimineller Ader und Chloe, ihre Freundin aus Kindertagen, in einen fatalen Streit geraten.

Die selbstbewusste Chloe stellt den Unsympathen wegen Drogengeschäften zur Rede und droht mit einer Anzeige. Der Bursche zieht eine Pistole, drückt ab und Chloe stirbt. Der Schock über den kaltblütigen Mord löst offenbar übersinnliche Kräfte in Max aus, denn kurz darauf manipuliert sie die Realität. Wie bei dem schnellen Rücklauf eines Videorekorders laufen die Szenen auf dem Bildschirm ab und Max sitzt wieder im Klassenraum. Die Tat ist noch nicht begangen, aber sie weiß, dass diese gleich geschehen wird.

Life is Strange

So darf das einfach nicht geschehen

Ich bin in der Lage, die Zeit für einige Augenblicke zurückzuspulen, so kenne ich den Ausgang einer brenzligen Situation und kann versuchen einzugreifen. Meine erste Aufgabe ist es natürlich, den Mord an Chloe zu verhindern. Ich laufe also zur Toilette und schaue mich um. Das Spiel blendet bei benutzbaren Objekten Symbole ein, mit denen ich die Dinge genauer unter die Lupe nehmen und bei Bedarf auch interagieren kann. Ich sehe beispielsweise einen Feuermelder an der Wand. Klar, den Alarm muss ich auslösen und so wird die Tat verhindert. Ich warte also geduldig bis die Beiden erscheinen und will den Knopf drücken.

Schade, aber ich brauche wohl erstmal einen Gegenstand um das Sicherheitsglas über dem Schalter zu zertrümmern. Hätte man mir ja auch vorher sagen können. Die Uhr tickt und hektisch schaue ich mich um. Aber bevor ich etwas brauchbares finden kann, höre ich den Schuss. Also auf ein Neues. Ich drehe die Zeit wieder zurück und finde einen nicht sonderlich gut versteckten Hammer, mit dem sich das Glas zertrümmern lässt und ich so den Mord verhindern kann.

Life is Strange

Lass dir Zeit

Die Fähigkeit der Zeitmanipulation kommt in unterschiedlichen Situationen zum Einsatz: Beispielsweise, wenn ich bei einer Unterhaltung in eine Sackgasse gerate, weil ich die falsche Frage gestellt oder eine unpassende Antwort gegeben habe und mein Gegenüber beleidigt in tiefes Schweigen verfällt. Damit mir keine wichtigen Storydetails entgehen, spule ich auch hier fleißig zurück und probiere eben einen anderen Ansatz.

Gemein wird es, wenn das Spiel mich vor eine Wahl stellt, die sich als endgültig herausstellt. Ein Beispiel: Ich beobachte eine Szene, in der eine Kommilitonin von einem Wachmann des Campus bedrängt wird. Ich kann nun ein Foto der Situation machen oder einschreiten und das Mädchen verteidigen. Egal was ich auch mache, es erscheint falsch. Mache ich ein Bild und bleibe ansonsten untätig, wirft mir das Mädchen böse Blicke zu und prangert meine Teilnahmslosigkeit an ihrer Notsituation an.

Helfe ich, bekomme ich zwar einen herzlichen Dank, aber der Wachmann erklärt mir, dass er mich von nun an, auf dem Kieker habe. Irgendwie kann ich an beiden Situationen nichts Vorteilhaftes finden und hoffe, dass ich das kleinere Übel gewählt habe. Das werde ich dann schon einige Episoden später zu spüren bekommen.

Die Entwickler des französischen Independent-Studios Dontnod Entertainment, die bereits mit Remember Me auf ungewöhnliche Spielmechaniken gesetzt haben, bieten ein spannendes, aber dabei irgendwie angenehm entschleunigtes Spielerlebnis, mit TV-Serien-reifen Cliffhangern, reichlich Mystery und richtig emotionalen Momenten.

Während die Macher zur Zeit fleißig an dem Blutsauger-Adventure Vampyr arbeiten und die Fortsetzung von Life is Strange bereits angekündigt haben, könnt ihr euch in diesem Monat alle fünf Episoden des genialen Abenteuers als PS+-Titel holen.

Life is Stange

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