Battle Chasers: Nightwar – Starker Dungeon-Crawler im Comic-Look

Das zurzeit beste JRPG kommt aus den USA. Mit Battle Chasers: Nightwar bringt Joe Madureira seine Comic-Reihe auf die PS4!

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Veröffentlicht am 16. Oktober 2017 von Ulrich Wimmeroth

Wenn euch die Comicserie Battle Chasers, dessen erste von insgesamt nur neun Ausgaben bereits 1998 erschienen ist, jetzt nicht so viel sagt, dann ist das zwar schade, aber absolut kein Hindernis, mit Battle Chasers: Nightwar ein wirklich grandioses Action-Rollenspiel für die PS4 spielen zu können. Hinter dem spannenden Konzept Steampunk-, Science Fiction- und Fantasy-Elemente zu mischen und die mehr oder weniger strahlenden Helden der Comicserie in klassischen, rundenbasierten, Kämpfen gegen allerlei Monster antreten zu lassen, steckt spieltechnisch eine gelungene Hommage an japanische RPG alter Schule, wie Final Fantasy, Chrono Trigger oder Suikoden.

Vom Comiczeichner zum Spielemacher

Für den Comiczeichner Joe Madureira, der unter anderem auch bei Marvel unter Vertrag gestanden hat, ist Battle Chasers: Nightwar nicht der erste Ausflug in den Bereich Gamedesign und Spieleentwicklung. Bereits mit den Action-Adventures Darksiders und Darksiders 2 hat Madureira mehr als nur einen Achtungserfolg verbucht.

Die Konsequenz: Joe wendet sich vom Comiczeichnen ab, arbeitet bei verschiednen Entwicklern und gründet schlussendlich mit Airship Syndicate sein zweites eigenes Studio. Eine megaerfolgreiche Kickstarter-Kampagne später beginnt dann die Arbeit an dem stylischen JRPG-Tribut. Wenn ihr mehr zum ungewöhnlichen Werdegang des Ausnahmekünstlers erfahren möchtet, in diesem spannenden Artikel auf dem PlayStation Blog erfahrt ihr aus erster Hand seine Beweggründe.

Interessante Charaktere, spannende Story

Genug der Vorrede, kommen wir endlich zum Spiel: Die Geschichte beginnt in einem Luftschiff, in dem sich das Mädchen Gully mit ihren Freunden befindet und auf der Suche nach ihrem verschollenen Vater Aramus ist. Eine nicht zu gewinnende Schlacht gegen eine Horde Luftpiraten später, wird Gully unsanft auf die Erde befördert und muss sich nun erst einmal aufmachen, ihre in alle Winde verstreuten Vertrauten wieder um sich zu versammeln. Richtig los geht es dann in der Stadt Harm’s Way, dem Ausgangspunkt der abenteuerlichen Fantasy-Reise, der euren stetig wachsenden Heldentrupp durch unzählige Verliese voller ekliger Monster, fieser Fallen und hartnäckiger Bosse führt.

Über die spannende Story, die angenehm wenig linear daherkommt und mit einigen Überraschungen aufwartet, wollen wir nicht viel verraten. Am besten ihr lasst euch von den Abenteuern der bunten Truppe aus Gully, dem kleinen blonden Mädchen mit dem Paar überdimensionaler Panzerhandschuhen, dem Kriegsgolem Calibretto, dem edlen Paladin Garrison oder der leicht bekleideten Schurkin Red Monika einfach in die Steampunk-Welt von Battle Chasers hineinziehen.

Insgesamt gibt es sechs spielbare Figuren, von denen ihr immer nur drei mit in den Kampf nehmen könnt. Keine leichte Entscheidung, verfügen doch sämtliche Protagonisten über individuelle Fähigkeiten, die man irgendwie alle gut gebrauchen kann. Am besten, ihr nehmt zu Beginn die klassische Rollenspiel-Dreifaltigkeit aus Heiler, Tank und Damage-Dealer mit in die Gefechte, bevor ihr euch daran macht euren Liebling ganz besonders aufzupäppeln. Denn die Herausforderungen in den Dungeons sind von Beginn an knackig.

Taktische Kämpfe in den Kerkern

Die Welt von Nightwar ist zweigeteilt, in der Oberwelt bewegt ihr euren Trupp wie in einem Brettspiel von Punkt zu Punkt und kümmert euch ums Heldenmanagement. Neue Ausrüstung und Waffen kaufen oder selber craften, mit zahlreichen NPCs plaudern, um Aufträge anzunehmen oder mehr über eure Widersacher – wir sagen nur Totenbeschwörerin – und den Aufenthaltsort der noch nicht eingesammelten Freunde zu erfahren, Talentpunkte weise verteilen, Tränke brauen. Was man eben so alles in einem klassischen Rollenspiel zu erledigen hat. Kommt ihr zu einem relevanten Punkt auf der Karte, taucht ihr auf Knopfdruck in Dungeons ein und es geht ordentlich zur Sache.

Die Besonderheit: Die Dungeons werden zufällig aus einem Fundus an Versatzstücken generiert und ebenso zufällig mit Gegnern, Fallen und Rätseln bestückt. Ihr erkundet die verwinkelten Orte aus der isometrischen Perspektive, drückt Schalter, weicht fiesen Fallen aus und öffnet Schatztruhen (die auch schon mal Zähne bekommen und ordentlich zubeißen können). Während ihr fleißig Gold, Geschmeide und die extrem wichtigen Crafting-Materialien einsammelt, bekommt ihr es mit Monstern, Piraten und anderen Widersachern zu tun. Werdet ihr entdeckt, stürmen die Gegner auf euch zu und wenn ihr nicht ausweichen könnt, geht es direkt ab in den Kampfbildschirm.

Das kann euch übrigens in der Oberwelt auch passieren, wenn ihr nicht an Ungetümen vorbei schleicht oder diese weiträumig umgeht. In den Kämpfen stehen sich dann links eure Helden und rechts die Gegner gegenüber. Eine Initiativ-Leiste zeigt an, wer wann mit einer Aktion zum Zug kommt und es darf so richtig schön retrorundentaktisch auf die Rübe gegeben werden. Wobei zu beachten ist, dass Standard-Angriffe meist sofort ausgeführt werden, größere Magieattacken, Beschwörungen oder besonders heftige Angriffe meist etwas länger bis zur Ausführung brauchen. Das sollte man schon ins Kalkül ziehen, denn selbst auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad, sind die Auseinandersetzungen kein Spaziergang.

Außerdem sollte immer die Manaleiste im Auge behalten werden, denn ohne ausreichend Mana können keine fatalen Attacken ausgeführt werden. Das System ist zwar geradezu klassisch, angelehnt an die ersten Final Fantasy-Teile oder auch dem fantastischen Child of Light, um mal ein aktuelleres Beispiel zu geben, aber eben auch durchaus komplex. Und das macht einen ganz großen Reiz des Spiels aus.

Ein echter Hingucker

Neben den kompetent deutsch synchronisierten Dialogen und Zwischensequenzen sowie dem gelungenen Kampfsystem, ist das außergewöhnliche Artdesign in der typischen Madureira-Optik ein weiterer ganz dicker Pluspunkt. Nicht nur die spielbaren Protagonisten wie Gully, Red Monika, der kauzige Magier Knolan oder Alumon mit der Teufelsmaske sind echte Hingucker, auch das Design der Gegner und NPCs ist angenehm abwechslungsreich und liefert eben nicht zehn mal das gleiche Standard-Gesicht für die Gesprächspartner oder Feindesschar.

Die Hintergründe und Dungeons im „Magie meets High-Tech“-Design sehen dabei aus wie mit Wachsmalstiften gestaltet und es kommt etwas auf, was so mancher Genre-Vertreter vermissen lässt: Atmosphäre. Interessiert? Dann schaut euch doch mal eine fette Auswahl an Artworks vom Meister Madureira an und ladet euch Battle Chasers: Nightwar aus dem Store herunter. Ihr werdet es nicht bereuen.

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