Hellblade: Senua’s Sacrifice – Der Feind in meinem Kopf

Als tapfere Kriegerin trotzt ihr in Hellblade nicht bloß nordischen Göttern, Tod und Verderbnis, um euren Geliebten zu retten.

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Veröffentlicht am 20. August 2017 von Stefan Kluger

Das Ende der Welt naht! Und Ragnarök, die Götterdämmerung in der nordischen Mythologie, wird denkbar ungemütlich. Denn dann steigen die Toten aus ihren Gräbern, es suchen uns grässliche Eisriesen heim und die Götter rüsten sich für ihre letzte Schlacht. Dabei erlebt ihr in der Rolle von Heldin Senua eine ganz persönliche Geschichte, die nicht nur spannend und verstörend, sondern auch spielerisch überzeugend ist. Während es einerseits schweißtreibende von Taktik geprägte Kämpfe gibt, sorgen andererseits die zunehmend lauter werdenden Stimmen in Senuas Kopf für beinahe noch mehr Unbehagen als all die abscheulichen Bestien ringsum. Schließlich könnt ihr euch nie sicher sein, ob die aktuelle Bedrohung real ist oder euch der Verstand mal wieder einen bösen Streich spielt.

Mit Hellblade: Senua’s Sacrifice ist jetzt im PlayStation Store die Download-Fassung für nur 29,99 Euro verfügbar.

Hellblade

Vom Leben gezeichnet

Die junge Frau hat in ihrem Leben schon eine Menge schlimme Dinge erlebt. Ihr Heimatdorf wurde von Plünderern dem Erdboden gleich gemacht, und Dillion, ihre große Liebe, musste eines schrecklichen Todes sterben. Doch das hält Senua nicht davon ab, auch jetzt noch für ihren einstigen Schwarm zu kämpfen. Deshalb steigt sie ohne Rücksicht auf Verluste nach Helheim hinab, um die Seele ihres Mannes vielleicht doch noch zu retten. Aus diesem Grund begibt sie sich auf die Suche nach Hel, der Herrscherin der nordischen Unterwelt, um in einem alles entscheidenden Duell das Unmögliche wahr zu machen.

Dass die Protagonistin in Hellblade selbst nicht ganz gesund ist, zeigt sich schon bald in diesem ambitionierten Action-Adventure von Entwickler Ninja Theory. Und dem verantwortlichen Studio war eine adäquate Darstellung psychischer Erkrankungen wie Depression oder Psychose ein ganz besonderes Anliegen. So präsentiert sich Senua äußerst glaubwürdig – sei es, wie sie mit ihren albtraumhafte Stimmen umgeht oder wie sie sich in gewissen anderen stressigen Situationen verhält – stets wird ihrer fragilen mentalen Verfassung Rechnung getragen.

Dabei präsentiert das Spiel schon zu Beginn einen kleinen, aber feinen Höhepunkt: Mit einem Boot will die Kriegerin einen gigantischen See überqueren, der – in Nebel getaucht – vor ihr liegt. Während sie versucht, ihr trübes Umfeld zu überblicken, suchen sie gleich mehrere Stimmen heim, die aus ihrem Kopf kommen. Sie sprechen leise, dann wieder laut, manchmal behutsam, dann wieder grässlich fordernd. Viele davon haben nur Spott und Hohn für sie und ihre Bemühungen übrig, was zusätzlich an den Nerven zerrt.

Hellblade

Die lauernde Gefahr

Dementsprechend wirkt der Terror im Kopf nicht nur auf die Spieler, sondern auch auf Senua selbst äußerst verstörend. Regelmäßig blickt sie angespannt, verunsichert und gehetzt um sich. In diesen Situationen würden wir ihr gerne helfen, sie beschützen und trösten. Doch es hilft alles nichts: Die gebrochene Heldin muss das Martyrium ertragen, solange es anhält, erst dann geht es weiter auf ihrer Reise ins Ungewisse. Ihr könnt also vielleicht jedem Monster den Garaus machen, nicht aber der Bedrohung die in euch wächst. Doch manchmal kann der ein oder andere innere Ratschlag auch nützlich sein. Nur wann? Paranoia scheint hier vorprogrammiert zu sein.

Doch es lauern noch andere Gefahren: So stellt etwa die “Dunkelheit” eine Art Krankheit dar, die Senuas Hand befällt und droht, ihren Körper letztlich vollends zu zerstören; ein Gruß von Göttin Hel, der sie zu trotzen wagte. Bei jedem Ableben kriecht die schwarze Pest etwas weiter ihren Arm hinauf. Erreicht die Seuche schließlich das Antlitz, heißt es “Game Over”.
Dieses Bewusstsein um die Vergänglichkeit der Heldin macht beinahe jede Situation im Abenteuer noch spannender. Und wer weiß schon, was sich hinter der nächsten Ecke verbirgt? Vielleicht verraten es ja die Stimmen in ihrem Kopf.

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