Persona 5 – Lasst uns Herzen stehlen

Mit dem fünften Teil der Saga katapultiert sich Atlus endgültig in den RPG-Olymp. Denn das geniale Konzept wurde perfektioniert und mit einem sensationellen Art Style versehen.

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Veröffentlicht am 01. Februar 2018 von Stefan Kluger

Wie bereits aus den Vorgängern bekannt, verfolgt auch Persona 5 die bekannte Serienformel: Tagsüber Schulalltag inklusive zahlreichen Betätigungsfeldern und sozialer Interaktion, nachts gefährliche Ausflüge ins Reich der Dämonen. Dabei optimierten die Entwickler die Formel soweit, dass wirklich jeder Rollenspieler, der nur ansatzweise etwas mit japanischer Kost anzufangen weiß, diesen Titel gespielt haben sollte. Und die Präsentation lässt sich locker mit nur zwei Worten beschreiben: makellos schön.

Wer Persona 5 bislang nicht erlebte, hat Glück. Denn als aktuelles Angebot der Woche im PlayStation Store bekommt ihr das JRPG für nur 29,99 Euro (statt 69,99 Euro, ein Rabatt von 57%). Oder ihr holt euch gleich die Ultimate Edition, die für 39,99 Euro (ursprünglich 99,99 Euro, eine Ersparnis von 60%) zu haben ist. Das Angebot endet am 8. Februar, 00:59 Uhr MEZ.

Tokyo, Stadt am Abgrund

Da er sich etwas zu schulden kommen ließ, muss der Protagonist die Schule wechseln. Und nachdem er sich an der Highschool Tokyo eingeschrieben hat, wird es auch schon äußerst geheimnisvoll. Oder wie würdet ihr es nennen, kämt ihr plötzlich via App ins Metaverse? Eine Dimension, die aus der realen Stadt, aber auch der Psyche ihrer Bewohner besteht. Dort erwacht die Macht der Personas in ihm.

Mit der Zeit trefft ihr auf andere Charaktere, in denen sich ebenfalls jene übernatürlichen Alter Egos manifestieren. Schon bald bilden sich erste Freundschaften. Und zusammen beschließt die ungewöhnliche Gruppe, als Phantom Thieves in die Psyche böser Menschen einzudringen. Warum? Natürlich um deren Herzen zu stehlen, damit die Welt ein besserer Ort wird. So greifen die Helden etwa den sadistischen Sportlehrer der Schule an. Jener quält mit Freuden seine männlichen Schüler beim Training, während er die weiblichen sexuell belästigt. Dem gehört ein Ende bereitet!

Ziemlich düster also, was euch Entwickler Atlus hier vorsetzt. Ganz klar eine Geschichte für Erwachsene, die locker 80 oder mehr Stunden dauert. Dabei glänzt sie neben der packenden Narrative mit interessanten Figuren, überraschenden Wendungen sowie Problemen, die teils verdächtig vertraut wirken. Somit ist es ein genialer Mix aus Alltags-Sim und Dämonenhatz, garniert mit einer filmreifen Story.

Vielfältiges Abenteuer

Dementsprechend gestaltet sich der Spielablauf, der abwechslungsreicher kaum sein könnte. Nutzt die U-Bahn, um zahlreiche Orte zu erreichen. Dort finden sich Shops, Restaurants, Arcades und nicht zuletzt viele abgedrehte Persönlichkeiten. Nach und nach eröffnet euch das Spiel weitere Möglichkeiten. Geht zum Beispiel ins Kino, nehmt einen Teilzeitjob an, lernt für die nächste Prüfung oder hängt einfach mit Freunden ab. Abgesehen davon, dass jene Aktivitäten unterhaltsame Geschichten abgeben, sind sie insbesondere für den Character Build essenziell.

Denn manche der Hobbys verbessern direkt die Basiswerte eures Helden. Umso höher etwa euer Wissen, desto besser schneidet der Protagonist bei Tests ab und staubt dementsprechend wertvolle Belohnungen ab. Verfügt er dagegen über ausreichend Mut, dann fasst er sich ein Herz, um die charismatische Ann anzusprechen – eine wertvolle Verbündete im Kampf gegen das Böse.

Oder ihr taucht ins Metaverse ab, wo ihr als Phantom Thieves diverse Palaces besucht. Dabei handelt es sich um eine Manifestation des Unterbewusstseins von Personen, deren Herzen gestohlen werden sollen. Und sobald die Zielperson bestimmt ist, habt ihr lediglich eine bestimmte Anzahl an Tagen Zeit, um den Auftrag erfolgreich zu beenden. Und das ist spielerisch ein absoluter Hit! Vorbei auch die Zeiten zufallsgenerierter Dungeons. Alle Verliese in Persona 5 sind von Hand gefertigt und belohnen vor allem jene, die sich geschickt und leise durch die düsteren Korridore bewegen.

Kampfrausch 2.0

Die Kämpfe der Reihe waren schon immer sehr zugänglich. Doch mit Persona 5 optimierten die Entwickler das vorhandene System. Statt aus einer Liste an Optionen zu wählen, liegt nun jede Aktion auf einem separaten Button (Angriff, Verteidigung, Items, Beschwörungen etc.). Dadurch stellt sich bei den Auseinandersetzungen noch schneller als sonst der serientypische Flow ein. Das ist besonders nützlich, wenn ihr mal eine Weile schwächere Gegner auseinander nehmt, um Erfahrungspunkte zu sammeln.

Gelingt es euch, sämtliche Feinde dank ihrer Schwachstellen oder durch kritische Treffer zu bezwingen, könnt ihr sie mit Hilfe einer Gruppenattacke endgültig vernichten – oder aber sie in ein Gespräch verwickeln. Dann fragt ihr nach Geld, Items oder werbt sie gar als neue Personas für die Party an. Eine abgefahrene Idee, die zudem noch viel mehr Spaß macht als die Systeme der Vorgänger.

Vertraute Elemente

Einmal mehr ist natürlich der Velvet Room integraler Bestandteil. Dort verwaltet ihr wie gehabt eure Personas oder erschafft neue. Diesmal manifestiert sich besagter Raum als Gefängnis, das sowohl in der Stadt als auch in den Dungeons betretbar ist.
Dort könnt ihr Personas fusionieren, um laufend stärkere zu erschaffen. Oder ihr opfert welche für wertvolle Level-Ups. Beides zwei elementare Vorgangsweisen, um sich insbesondere für Mid- und Endgame vorzubereiten. Denn die zahlreichen Endbosse haben es wahrlich in sich!

Ebenfalls mit dabei ist ein anderes bekanntes Feature: das Social-Link-System. Schließt mit anderen Personen Freundschaften, die bestimmten Persona-Typen entsprechen. Verbringt ihr viel Zeit mit Freunden, gibt es neue Skills, Deals auf Equipment oder einen Erfahrungspunkte-Bonus. Dabei müsst ihr stets abwägen, welchen Charakteren ihr nun eure Zeit schenkt, um bestimmte Benefits zu erlangen.

Stilsicheres Gesamtkunstwerk

Das Abenteuer glänzt mit einer umwerfend stilsicheren Optik. Von den grandiosen Zwischensequenzen über das Design von Welt mitsamt ihren Charakteren bis hin zu den unglaublich knalligen Menüs – so kreativ und derart souverän ist kaum ein anderes Rollenspiel. Zudem besticht der Soundtrack mit einer wohl dosierten Mischung als Pop, Rock und Jazz, die auch nach unzähligen Wiederholungen noch die Herzen entzückt.

Ein anmutiges JRPG, das neben seinem bestechenden Stil und feinem Gameplay eine weitere Besonderheit besitzt: Es ist so unfassbar gut durchdacht, dass sämtliche Elemente wie aus einem Guss wirken und dadurch ein Gesamtkunstwerk schaffen. Somit sollte Persona 5 nicht nur bei japanophilen Spielern ganz oben auf der Liste stehen. Schließlich will doch niemand etwas wahrhaft Großes versäumen, oder etwa nicht?