Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain – Kojimas Meisterwerk

Schleichen, verstecken, nur zur Not mal brachial vorgehen: In der offenen Spielwelt von Metal Gear Solid V sollt ihr möglichst gewaltfrei agieren.

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Veröffentlicht am 06. Oktober 2017 von Ulrich Wimmeroth

Neun Jahre sind nach den Geschehnissen in dem Prolog Metal Gear Solid V: Ground Zeroes vergangen. Der Angriff der Geheimorganisation Cipher auf die Mother Base gipfelte in einem Helikopterabsturz, bei dem Protagonist Venom Snake nur knapp mit dem Leben davongekommen ist. Jetzt erst erwacht er in einem Hospital auf Zypern aus seinem Koma, immer noch mit reichlich Splittern in seinem geschundenen Körper und mit einer mechanischen Armprothese ausgestattet.

Von solchen Kleinigkeiten lässt sich Snake aber nicht an der Durchführung seines Rachefeldzuges hindern. Er entflieht in seinem geschwächten Zustand erst einmal einem Cipher-Angriff auf das Krankenhaus und beginnt dann seine alten Weggefährten um sich zu versammeln, um mit seiner Armee ohne Nation die Bösewichte vom Antlitz der Erde zu tilgen. Leg dich eben nicht mit dem Big Boss an. Oder zumindest mit jemandem, der wie der Big Boss aussieht.

Packende Inszenierung

Alleine der Beginn des epischen letzten Abenteuers von Snake ist ein packend inszenierter Albtraum, in dem ihr euch in der Rolle des kaum auf den Beinen stehen könnenden Protagonisten, aus dem Krankenhaus stehlen sollt. Zwischen Leichenbergen, gnadenlosen Söldnern und einem brennendem Wal (wir sprechen hier über ein Kojima-Spiel, also nicht weiter fragen. spielen) entrinnt ihr ganz knapp eurem Schicksal. Hauptsächlich aber, weil euch euer Kamerad Ocelot in letzter Sekunde zur Hilfe eilt. Im Stil einer TV-Serie, unterlegt mit serientypisch eher knappen, aber opulenten, Zwischensequenzen, reist ihr quer über den Erdball und sammelt euch eure schlagkräftige Truppe zusammen, die Diamond Dogs.

Dazu gilt es aber zuerst eueren langjährigen Gefährten Kazuhira Miller aus der russischen Gefangenschaft in Afghanistan zu befreien. Nur eine, von gut 50 knallharten Missionen, die die Spielzeit der Hauptgeschichte kaum unter 30 Stunden fallen lässt. Und wenn ihr euch allen Nebenmissionen widmet, von denen es 150 gibt, dann habt ihr richtig lange was zu tun. Obwohl das Ende der fast 30-jährigen Metal Gear Solid-Geschichte ja schon 2015 erschienen ist, wollen wir jetzt keine der Twists spoilern, die euch erwarten. Genießt es einfach.

Sandbox vom Feinsten

In welcher Reihenfolge ihr die Missionen erledigt, folgt nicht immer einem linearem Ablauf. Ihr könnt euch in den beiden riesigen Sandbox-Gebieten von Afrika und Afghanistan weitestgehend nach Lust und Laune austoben. Die Ziele sind meist klar definiert: Töte eine Zielperson, besorge eine neue mächtige Waffe, rette einen in Bedrängnis geratenen Verbündeten. Wie ihr aber das erledigt, bleibt dabei vollkommen eurem favorisierten Spielstil vorbehalten.

Aber Achtung: Freizeit-Rambos kommen schnell ins Abseits, denn wie gewohnt stehen zwar unzählige Waffen und Gadgets zur Verfügung, aber nur mit umsichtigem Handeln und einem beherzten Griff ins gigantische Stealth-Repertoire kommt ihr meist zu einem Erfolg. Ein Beispiel: Ihr sollt in einem Lager einen Offizier ausschalten. Da könnt ihr euch grundsätzlich mit dem Maschinengewehr durch die Gegner mähen, der richtige wird dann wohl auch dabei sein. Aber mehr Laune macht es mit einem Sniper-Gewehr in aller Ruhe auf den richtigen Moment zu warten oder euch ins Lager zu schleichen, alle Wachen hinterrücks auszuschalten oder zu umgehen und dann den Kill ausführen.

Das ist eh die Stärke der Serie, mit Strategie an die Sache herangehen und möglichst lautlos agieren.

Basisbau für Fortgeschrittene

Zu Umfangreich sind die spielmechanischen Finessen des Kojima-Werkes, um jede Facette in diesem Feature zu beleuchten. Da lohnt sich ein Blick auf unsere Lese-Tipps am Ende. Oder ihr spielt es einfach, was die noch bessere Alternative wäre. Aber ein paar Dinge sollen noch erwähnt werden, um euch den Mund wässrig zu machen. Da wäre zum Beispiel der komplexe Aufbau eurer Mother-Base, die ihr durch das Sammeln von Ressourcen, wie Metall, Holz, Pflanzen etc. zu einer richtigen Stadt ausbauen könnt.

Das solltet ihr auch unbedingt schnell in Angriff nehmen, denn die Schlagkraft eurer Truppen nimmt mit dem entsprechenden Aufbau der Basis und den wichtigen Aufklärungs- und Forschungsabteilungen enorm zu. Neue Soldaten könnt ihr übrigens rekrutieren, in dem ihr diese einfach in Feindeslager kidnappt und automatisch zu eurer Mother-Base bringen lasst. Dank Ocelots Überredungskünste arbeiten diese dann fortan auf der Seite der Diamond Dogs. So bekommt ihr schnell eine riesige Armee zusammen, mit denen ihr bei euren Spaziergängen über das Gelände auch kommunizieren könnt. Macht das mal, wenn ihr auf den teils sehr schrägen Humor der Macher steht.

Sag zum Abschied ganz laut Servus

Die Fachpresse und die Fans sind sich auf jeden Fall mal einig und ein Metascore von satten 92 Punkten zeigt deutlich, dass das Serienfinale ein echtes Must-Have und ein Meisterwerk von einem Spiel ist. Leider aber eben auch das Abschiedsgeschenk von Hideo Kojima, denn der Ausnahmeentwickler musste bei Konami vor einiger Zeit den Hut nehmen.

Aber keine Sorge, der Meister arbeitet mit seinem eigenen Studio schon an einem neuen, innovativen, Projekt: dem noch sehr mysteriösen Titel Death Stranding. Was uns erwarten wird? Keine Ahnung, aber es wird definitiv ein echter Kojima.

Wenn ihr euch jetzt gleich in das Sandbox-Meisterwerk stürzen wollt, ist das wirklich kein Problem: Folgt einfach diesem Link zu Metal Gear Sold V: The Phantom Pain im PlayStation Store. Für PlayStation Plus-Abonnenten ist das Spiel in diesem Monat übrigens kostenlos.

Weitere Informationen:

  • Ein in jeder Hinsicht würdiges Metal Gear – PC Games
  • Schlange + Sandkasten = Riesenspaß! – Gamestar
  • Days of Future Past – PlayStation Blog
  • 10 Gründe, warum ihr euch Metal Gear Solid V schnappen solltet – PlayStation Blog
  • Schleichen in der offenen Welt – 4players
  • Das wird jetzt eine Weile wehtun – Eurogamer.de
  • Meilensteine der Gaming-Geschichte – Buffed
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