The Longest 5 Minutes – Wenn ein Rollenspiel beim Endboss beginnt

Dieses jRPG ist nur fünf Minuten lang, fünf außergewöhnlich lange Minuten…

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Veröffentlicht am 11. Februar 2018 von Daniel Meyer

Rollenspiele gehören hinsichtlich unseres liebsten Hobbies zu den beliebtesten Genres, und selbst bevor das Videospiel erfunden wurde, gab es sie schon. Aber sei es nun das Pen & Paper-Spiel Dungeons & Dragons oder hochmoderne AAA-Games – das Konzept solcher Spiele bleibt im Kern meist ähnlich. Ihr begebt euch auf eine lange Reise, bekämpft allerlei Kreaturen bevor ihr euch dann am Ende einem Oberbösewicht stellt und eine Prinzessin oder gar die Welt rettet. Dass es aber auch anders geht, das zeigt und der neue Titel The Longest 5 Minutes. Hier beginnt das Abenteuer am Ende eurer Reise, sodass ihr euch schon direkt zum Spielstart dem Endboss stellen müsst.

Der japanische Publisher Nippon Ichi Software hat bereits in den vergangenen Jahren bei Fans für viel Freude gesorgt. Geschuldet ist dies der großen Motivation japanische Nischen-Games im Westen herauszubringen. Auch dieses Jahr lässt das das Studio nicht davon ab und bringt nun am 16. Februar das Rollenspiel The Longest 5 Minutes für die PlayStation Vita heraus.

Zeit für einen Flashback

Nicht nur steht ihr zum Spielstart bereits dem Endboss gegenüber, auch dauert dieser Kampf lediglich fünf Minuten, bevor das Spiel zu Ende ist und die Credits ablaufen. Aber wie der Titel es schon impliziert, so sind dies tatsächlich die längsten fünf Minuten auf die ihr euch hier gefasst machen müsst. Denn direkt zum Start stellt sich heraus, dass ihr eure gesamten Erinnerungen verloren habt. Eure Partymitglieder verfallen daher natürlich leicht in Panik, als ihr euch weder an euren eigenen noch an deren Namen erinnert. Auch warum ihr vor dem Demon Lord steht und wie ihr hierher gelangt seid, das ist aktuell noch ein Rätsel.

Genau an dieser Stelle beginnt auch das Kernprinzip des Spiels, denn der Endbosskampf ist nur der Aufhänger in The Longest 5 Minutes. Durch Flashbacks ist es euch möglich, euch an eure Vergangenheit zu erinnern und hier gilt es diese wertvollen Erinnerungen nochmals nachzuspielen. Dass unser Held hier selbst den Namen Flash Back trägt, scheint von daher nur Schicksal zu sein und spiegelt zugleich auch den eigenwilligen Humor des Spiels wieder.

Wertvolle Erinnerungen

Dadurch, dass ihr eure gesamte Vergangenheit vergessen habt seid ihr im Kampf entsprechend unbeholfen. Danke der Unterstützung eurer Partymitglieder ist es euch allerdings möglich einige Erinnerungen ins Gedächtnis zu rufen. So erinnert ihr euch im Rahmen des spannenden und epischen Kampfes gegen dem Demon Lord immer wieder an die Geschehnisse der Vergangenheit, die sowohl euch geformt als auch eure Freundschaft gefestigt haben.

Spielerisch kommt The Longest 5 Minutes dabei eher weniger klassisch daher. In eurer ersten Erinnerung erlebt ihr, wie ihr mit Level 5 eure Reise von eurem Heimatdorf aus gestartet habt. Daraufhin folgt dann plötzlich eine Erinnerung, in der ihr Level 55 und dann eine in der ihr Level 10 seid. Die Erinnerungen kommen, wie im realen Leben auch, nicht linear daher, was allerdings auch dem Erzählfluss der Geschichte zugutekommt. Entsprechend seid ihr stets auch mit unterschiedlicher Ausrüstung ausgestattet und auch das Gameplay verlangt von euch kein Grinding ab, stattdessen stehen schnelle Kämpfe an der Tagesordnung. Im Endeffekt legt The Longest 5 Minutes mehr Wert auf die Erzählung einer Geschichte anstelle auf klassische Rollenspielelemente und anspruchsvolle Kämpfe.

Optisch kommt The Longest 5 Minutes zudem in einer sehr klassisch angehauchten 8-bit Optik daher, sodass sich der Titel insbesondere an Retro- und Japan-Fans richtet. Obwohl das Gameplay eher seicht ausfällt, so weiß hier gerade die emotionale und wunderschön aufgebaute Geschichte zu überzeugen, die immer wieder ein Lächeln auf die Lippen zaubern kann. Schlussendlich gilt es nicht nur darum in Erinnerungen unterschiedliche Anhänger des Demon Kings zu besiegen, auch gilt es die Bande mit den eigenen Freunden zu festigen und sich an Momente aus der Jugend zurückzuerinnern oder wie man während der Reise eine Kasino-Stadt oder eine heiße Quelle besucht hat.