Hellblade: Senua’s Sacrifice – Alles nur in deinem Kopf?

Die DmC-Macher Ninja Theory schicken ihre Heldin in Hellblade: Senua’s Sacrifice auf einen höllischen Psychotrip. Und ihr seid mittendrin.

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Veröffentlicht am 02. Februar 2018 von Ulrich Wimmeroth

Nein, es ist wirklich keine leichte Spielekost, die Ninja Theory mit der tiefgründigen und kompromisslosen Heldenreise in Hellblade: Senua’s Sacrifice abliefert.

Das Werk der britischen Entwickler, die bereits mit Heavenly Sword,ENSLAVED: Odyssey to the West und DmC Devil May Cry eindrucksvoll bewiesen haben, dass sich Action, Kunstanspruch und eine zum Nachdenken anregende Geschichte nicht ausschließen müssen, lässt sich schwerlich in eine Genre-Schublade stecken. Die Macher bezeichnen das Spiel selber als Independent-AAA Titel und mischen munter Bestandteile von Action-, Horror-, und Rätselspielen mit einer Prise Walking Simulator und purem Mindfuck.

Lasst euch den mehr als ungewöhnlichen Psychotrip auf gar keinen Fall entgehen und ladet euch Senua’s Ausflug in ihre ganz persönliche Hölle jetzt mit satten 33% Rabatt für 19,99 Euro aus dem Store. Kleiner Tipp: Wenn ihr schon dabei seid, stöbert doch gleich mal in der üppigen Auswahl der Aktion Spiele unter 20 € , es lohnt sich.

Auf dem Weg in die Hölle

Die keltische Kriegerin Senua hat trotz ihres jungen Alters schon viel zu viel an Abscheulichkeiten durchleben müssen. Von dem eigenen Vater als verfluchtes Kind angesehen, wurde sie seit ihrer Kindheit von der menschlichen Gemeinschaft isoliert, ihre Mutter wurde hingerichtet und zu allem Überfluss wird bei einem an Grausamkeit kaum zu überbietenden Überfall der Nordmänner auf ihr Dorf auch noch ihre erste und einzige Liebe brutal gemetzelt. Gut, das Leben im 7. Jahrhundert mag nicht wie auf dem Ponyhof gewesen sein, aber das ist doch wirklich mehr als ein Mann oder eine Frau ertragen kann. Da wundert es nicht wirklich, dass die fragile Psyche der jungen Senua einen ordentlichen Knacks abbekommen hat und sie nun anscheinend Gespenster sieht.

Von den alptraumhaften Schatten um sie herum lässt sich die tapfere Heroin aber nicht abhalten und so macht sie sich auf den Weg in die Wikinger-Hölle, um ihren verstorbenen Geliebten Dillion aus den Klauen der Göttin Hel zu befreien. Soweit die spoilerfrei Kurzfassung der mitreißenden Story, die nicht mittels ellenlangen Texttafeln oder kinoreifen Sequenzen erzählt wird, sondern sich erst nach und nach im laufenden Spielgeschehen entfaltet. Was sich alles an unangenehmen Details hinter der ungewöhnlichen Variante der klassischen Heldenreise versteckt, das solltet ihr unbedingt selber herausfinden.

Die Stimmen in meinem Kopf

Wenn ihr jetzt denkt, dass ihr mit einer knallharten Abenteurerin Marke Lara Croft die Reise bestreitet und alles weghackt, was es wagt im Weg zu stehen, dann liegt ihr vollkommen daneben. Bei Senua handelt es sich um eine kranke Frau, deren Verstand von Psychosen getrieben wird. Die Entwickler veranschaulichen die Symptome der psychischen Erkrankung durch ein stetes Stimmengewirr. Ein böser Chor, der abwechselnd die Heldin verhöhnt und beschimpft, im nächsten Augenblick dann in ihrem Glauben bestärkt und immer weiter auf ihrem Weg ins verderben treibt.

So habt ihr eine Videospielheldin garantiert noch nicht erlebt und es ist schwer sich der bedrückenden Atmosphäre des immer weiter reifenden Wahnsinns zu entziehen. Neben der beeindruckenden Darstellung von psychischen Erkrankungen, vernachlässigen die Entwickler aber nicht das Gameplay. Auf eurer Wanderung durch die tristen Szenarien einer Schattenwelt bekommt ihr es immer wieder mit angriffslustigen Wikingern zu tun, die es mit Schwerthieben zu bändigen gilt. Die actionlastigen Kämpfe sind herausfordernd und besonders gegen mächtige Bosse bedarf es einer durchdachten Choreografie aus Schlägen, Blocks und Ausweichrollen, um nicht vorschnell ins virtuelle Nirvana zu wandern.

Neben den martialischen Duellen wird von euch das genaue Beobachten der Umgebung eingefordert. Den weiteren Weg könnt ihr nur beschreiten, wenn ihr ein entsprechendes Tor geöffnet habt und das gelingt nur durch die Kombination von Runen. Welche genau ihr braucht? Das findet ihr heraus, wenn ihr gut versteckte Hinweise in der Gegend findet und beispielsweise auf die Schatten von Ästen auf dem Boden achtet, die die Form eines fehlenden Symbols anzeigen. Ruhige Passagen, Rätsel und Duelle gegen massive Gegner wechseln sich ab, aber die Stimmen im Kopf schweigen nie.

Es gibt keine Taboos

Die Geisteskrankheit der ungewöhnlichen Heldin im Spiel derart prominent zu platzieren, ist keineswegs ein bloßes Gimmick. Mit dem gehörigen Respekt sind die Macher an das Thema herangegangen und setzen auf eine wissenschaftlich verbriefte Darstellung von Wahrnehmungsstörungen und ihren Auswirkungen. Aus diesem Grund wurden namhafte medizinische Fachkräfte der Psychosen-Forschung bei der Entwicklung hinzugezogen. Herausgekommen ist eine beklemmende Darstellung von Geisteskrankheiten, die dem Action-Abenteuer eine Hauptperson mit bislang ungeahnter menschlicher Tiefe verpasst.

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