RiME – Schiffbruch im Märchenland

Tequila Works Indie-Meisterwerk RiME ist Spielinnovation pur und erzählt ganz ohne Worte eine traumhaft emotionale Geschichte.

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Veröffentlicht am 09. Februar 2018 von Ulrich Wimmeroth

Die spanische Spielmanufaktur Tequila Works ist schlicht und ergreifend ein Garant für innovative Games. Knifflige Rätsel während eines mörderischen Maskenballs in The Sexy Brutale oder Gehrinjogging in dem komplexen PlayStation VR-Krimi The Invisible Hours: Die Entwickler geben sich mit Gaming-Grundnahrung einfach nicht zufrieden und liefern zielsicher Innovationen, die aus einem einfachen Zock ein echtes Erlebnis macht. Ein Paradebeispiel für die Indie-Kunst des Studios ist zweifelsfrei das märchenhafte RiME, das als Plus des Monats zur Zeit für PS+-Mitglieder kostenlos zum Herunterladen auf euch wartet.

Nach dem Sturm

Das Meer wogt malerisch an den goldenen Sandstrand, die Sonne scheint heiter vom Himmel und das satte Grün der Vegetation zeugt von Leben: Eigentlich genau der richtige Ort an dem man seinen nächsten Urlaub verbringen möchte. Aber die Idylle täuscht, was der Protagonist des märchenhaften Rätsel-Spiels RiME auf seiner Odyssee durch das vermeintliche Paradies schon bald am eigenen Leib erfahren wird.

Euer mysteriöser Inseltrip beginnt in dem Augenblick, als ein namenloser Junge am Strand aufwacht. Offenbar hat ein Sturm sein Boot erfasst und ihn wohlbehalten an Land gespült. Wo seid ihr gestrandet, was ist das für ein Eiland, welche Bedeutung haben die seltsamen Statuen, die auf eure Anwesenheit reagieren und vor allem, was ist eigentlich genau auf hoher See geschehen? Das alles herauszufinden ist in den nächsten gut acht Stunden intensiver Spielzeit eure Aufgabe. Ohne zu spoilern: Macht euch schon mal auf eine hochemotionale Geschichte gefasst, die ihr so garantiert nicht vorhersehen werdet.

Mein Freund der Fuchs

Die schicke Cellshading-Optik, die durchaus an die grafische Umsetzung der aktuellen Abenteuer von Link erinnert, lädt zum Umherwandern und Bestaunen ein. Könnt ihr natürlich machen, aber ihr habt es spielmechanisch nicht mit einem Walking-Simulator zu tun. RiME setzt auf stetig komplexer werdenden Denksport und euer Ziel, ein Turm in der Mitte des Eilands, erreicht ihr nicht auf dem direkten Wege. Es gilt Felsen zu besteigen, Türme zu erklimmen und immer wieder Umgebungsrätsel zu lösen, die euch wieder ein Stückchen näher zum großen Finale führen.

Obschon einige Gefahren auf euch lauern, ihr beispielsweise einer Wildschweinfamilie begegnet und euch einem erbosten Eber gegenüber seht, ist Kämpfen keine Option in dem spielbaren Märchen. Eure Figur kann klettern, hangeln, springen, laufen und joggen, aber keine Waffen nutzen und die Fäuste gebrauchen. Dafür könnt ihr aber seine Stimme einsetzten. Nein, ihr könnt nicht sprechen. Überhaupt wird in dem ganzen Spiel kein einziges Wort fallen, ihr aber trotzdem immer mitten im Geschehen sein und auch dem traurigen Geheimnis des Jungen und der Insel problemlos auf den Grund gehen.

Was ihr aber machen könnt, ist es, mit einer Art melodischen Singsang zum Beispiel Statuen zum Leben erwecken und euch so früh im Spiel mit einem putzigen Fuchs einen Gefährten sichern, der fortan den Weg weist. Und das ist auch bitter nötig, denn ohne entsprechende Hinweise aus der Tierwelt – schaut euch einfach an, in welche Richtung Vögel fliegen oder Krabben laufen – werdet ihr nie am Ziel ankommen.

Es kommt immer auf die Perspektive an

Neben der stimmungsvollen Optik und der geradezu gechillten Atmosphäre, ist die enorme Denksportdichte von RiME ganz besonders hervorzuheben. Die Rätselmacher von Tequila Works locken euer Hirn mit immer neuen Herausforderungen, bleiben dabei aber immer logisch und fair. Neben konventionellen Verschiebe-, Schalter- und Kombinationsaufgaben, gefallen uns besonders Rätsel, bei denen es auf die Perspektive ankommt.

Ein Beispiel: In einem ersten Schritt platziert ihr einen Sockel in der Umgebung, erklimmt dann einen Anhöhe, schaut durch ein Fernglas und bringt Sockel und ein in der Entfernung zu sehendes Tor in eine Flucht. Habt ihr das geschafft, verschmelzen Sockel und Tor zu einer Einheit und voilà, schon habt ihr einen Schlüssel. Die Lösungen finden sich immer in der näheren Umgebung und nutzen geschickt Licht und Schatten, unterschiedliche Blickwinkel oder Gewichte zur Lösung. Insgesamt führt euch eure Reise durch vier optisch und inhaltlich sehr verschiedene Abschnitte der Insel. Und jede hat für sich ihren ganz besonderen Reiz.

Weitere Informationen

Entspannte Rätselinsel – 4players

Traumhaft schöner Schiffbruch – GameStar

Eine wundervoll mysteriöse Reise – CBS

Schiffbruch mit Fuchs – Gamona

Malerisches und entspanntes Abenteuer- Eurogamer

Die Leichtigkeit des Rimes – spieletipps.de

Die hohe Kunst der Melancholie – Giga Games

RiME verzaubert Videospieler mit Minimalismus – Welt.de

Tequila Works – Website des Entwicklers

21 Dinge, die euch im atemberaubenden neuen RIME-Trailer vielleicht entgangen sind – PlayStation Blog

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